Abstrakter ExpressionismusPorträt des Kunstmalers Heinz Haberkorn
Die Beat-Generation hat den Kunstmaler Heinz Haberkorn geprägt. Seitdem er malt, liest er auch. Aus der Literatur nimmt er seine imaginären Bilder.
Es war das Größte für Heinz Haberkorn, als er mit fünfzehn Jahren seine erste Jeans bekam, ein Original aus Amerika. Das war 1958. Alles, was von dort kam, war damals bei der deutschen Jugend absolut gefragt: Kaugummi kauen und amerikanische Zigaretten rauchen, deren neue Musik hören, die etwas Radikales und Revolutionäres an sich hatte, wie der Bebop und der Rock´n´Roll. Beatnik-Literatur wurde Kult. Der Roman „On the Road“ des amerikanischen Schriftstellers Jack Kerouac, in dem es um „Sex, Drugs and Jazz“ ging, wurde zum Zeitgeist. Die Beat-Generation entstand. „Wir suchten nach einer neuen Realität“, erzählt Haberkorn. Es war ein Schrei nach Selbstbestimmung, ein Rundumschlag, um sich von den Zwängen der entbehrungsreichen Kriegsjahre zu befreien. Dieser Aufbruch prägte auch die Literatur, Musik und Malerei. Ein Leben am Schreibtisch kam nicht in FrageGenau in dieser Zeit wurde der Münchner Heinz Haberkorn erwachsen. Er machte 1962 sein Abitur. Eigentlich sollte er die Generalvertretung für Büroausstattung seines Vaters übernehmen. Doch er hatte anderes vor. Er wollte Kunstmaler werden. „Die Vorstellung, mein Leben am Büroschreibtisch zu verbringen, war für mich ein Horror“, sagt Haberkorn. Also verdiente er sich sein Studium an der Münchner Akademie für Bildende Künste, von 1964 bis 1968, unter anderem mit selbstgefertigten Silberschmuck und verkaufte ihn an der Leopoldstraße. Aus Haberkorn wurde ein Dozent für Werken und Kunsterziehung. Zuerst lehrte er an der Fachlehrerausbildungsstätte für Volksschulen in München. 1987 ging er an die Fachhochschule für Innenarchitektur in Rosenheim und blieb bis 2007. „Die Arbeit mit Studenten war interessant und mir sehr wichtig.“ Gemalt wie die Improvisation im JazzAls Dozent war Haberkorn der klassische Kunsterzieher, als freischaffender Künstler im eigenen Atelier blieb er seiner Jugendbewegung treu. Diese neue Realität, von der auch er in den Sechzigern träumte, versucht Haberkorn in seinem abstrakten Expressionismus zum Ausdruck zu bringen. Seine Malerei ist eine sinnliche Wahrnehmung von Mensch, Gegenständen und Umwelt, die aus dem Inneren kommt. Haberkorns künstlerischer Ausdruck gleicht der Improvisation im Jazz. „Je nach Stimmung gleite ich in meinen Malprozess hinein“, erklärt er. "Die Zimtläden" haben eine große Bedeutung Was er künstlerisch tut, entsteht in einem assoziativen Prozess, der durch die Leidenschaft zur Literatur entstand. „Seitdem ich male, lese ich auch.“ Das Buch „Die Zimtläden“ von dem polnischen Juden Bruno Schulz hat für Haberkorn eine besondere Bedeutung. Er sieht im Inhalt Parallelen zu sich, denn der Schriftsteller erzählt darin vom Textilgroßhandel seines Vaters, einem unerschöpflichen Lager, voll mit tausend Dingen, Farben und Formen. Er beschreibt modrige Hauseingänge, geheimen Zimmer, Gerümpel im Speicher. „Man riecht und sieht förmlich, was man liest“, sagt Haberkorn. Ein Zyklus seiner Bilder ist diesem Autor gewidmet. Haberkorn malt die Vorstellungen, die er aus dem Inhalt von Textpassagen aus diesem Buch nimmt und nennt die Bilder „Briefe an Bruno Schulz.“ Seit 2005 schreibt auch Haberkorn. Es sind seine Tagebücher, mit Worten aus Farbe und Gefühlen aus dynamischer Pinselsprache. Aus ihnen geht eine unheimliche Spannung hervor. Wie ein Leistungssportler am Startblock würde er die innere Anspannung aufbauen, dann loslassen, um extrem schnell und mit höchster Konzentration zu arbeiten, erklärt Haberkorn. So sind auch seine aktuellen „Monotypien“ zu charakterisieren. Auch in ihnen steckt viel spannungsgeladene Energie, die Haberkorn mit spontanem Farbauftrag auf Plexischeiben über die alte Presse in seinem Atelier aufs Papier druckt. „An den Zyklen meiner Bilder arbeite ich Monate, oft Jahre lang“, sagt der Künstler. Die Weiterentwicklung seines abstrakten Expressionismus und die Suche nach der anderen Realität werden nie enden. „Erst dann, wenn ich den Pinsel nicht mehr halten kann.“
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